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Für wen sich Magensäurehemmer eignen

Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol lindern Sodbrennen und schützen die Magenschleimhaut. Wer sie länger einnimmt, befürchtet oft Nebenwirkungen. Eine Experten-Einschätzung
von Christian Krumm, aktualisiert am 31.08.2016

Schützen vor Magenschmerzen: Protonenpumpenhemmer oder -inhibitoren (PPI)

Your Photo Today/GARO/PHANIE

Unlängst haben Studien wieder einmal Zweifel an der Verträglichkeit der sogenannten Protonenpumpenhemmer oder -inhibitoren (PPI) genährt. Die Medikamente zählen zu den meistverkauften Arzneien in Deutschland. Sie drosseln die Produktion von Magensäure und gelten als Mittel der Wahl bei Sodbrennen und Geschwüren.

Sie schützen außerdem die Magenschleimhaut von Patienten, die über längere Zeit Kortisonpräparate oder Schmerzmittel einnehmen müssen. Denn diese können auf Dauer die Schleimhaut schädigen und Blutungen auslösen. Oft werden PPI daher auch als "Magenschutz" bezeichnet.

Apotheker Marco Bubnick

W&B/Ronald Frommann

Vitamin- und Nährstoffmangel sehr selten

"Die Protonenpumpenhemmer gelangen in den Darm, von dort über den Leberkreislauf ins Blut und schließlich zu den Belegzellen des Magens. In einem chemischen Prozess blockieren sie die Säureproduktion", sagt der Apotheker Marco Bubnick aus Schwerin.

In der Vergangenheit gerieten die Medikamente schon öfter in die Kritik. Sie seien für eine erhöhte Knochenbruchrate oder Vitamin- und Mineralstoffmängel verantwortlich, hieß es. Man vermutete, zu wenig Magensäure führe dazu, dass die Nährstoffe und das Kalzium nicht ausreichend aufgenommen würden.

Professor Herbert Koop, Gastroenterologe in Berlin, kann die Patienten beruhigen. Das Bruchrisiko sei sehr gering, auch in Bezug auf einen Kalzium-, Eisen- und Vitamin-D-Mangel gebe es keine Belege. Ein Vitamin-B12- und ein Magnesium-Mangel seien, wenn überhaupt, nur bei jahrelanger Anwendung von PPI zu erwarten, könnten aber durch die Gabe entsprechender Präparate ausgeglichen werden. "Nur in ganz seltenen Fällen muss das Medikament abgesetzt werden", so der Experte.

Effektiv gegen Sodbrennen – aber als Nebenwirkung erhöhtes Demenzrisiko?

Aktuell haben Forscher jedoch auch Hinweise gefunden, dass bei längerfristigem Einsatz der "Magenschützer" das Risiko steigen könnte, an Demenz zu erkranken. Bonner Wissenschaftler werteten dazu die Daten von fast 74.000 Patienten aus; knapp 3000 von ihnen wurden über längere Zeit mit PPI therapiert. Im Gegensatz zu allen anderen zeigte diese Patientengruppe ein deutlich erhöhtes Demenzrisiko. Auf ähnliche Weise ermittelten US-Forscher, dass PPI chronische Nierenschäden begünstigen könnten.

Doch bei beiden Studien sind zu viele Fragen offen. Selbst die Autoren hielten sich mit einer endgültigen Bewertung zurück – und fordern gezielt geplante klinische Studien.

Auch Koop warnt vor vorschnellen Schlüssen. "Wenn 27 Jahre nach der Einführung dieser Medikamente solche Ergebnisse auftauchen, bin ich doch ein wenig skeptisch", sagt der Mediziner. "Die Studien beruhen nur auf Datenbanken, es ist aber nicht jedes Detail gut charakterisiert." So spiele es bei der Demenzentwicklung auch eine Rolle, ob die Patienten körperlich aktiv und intellektuell gefordert seien.

Magenmedikamente richtig einnehmen

Omeprazol nicht mehr verschreibungspflichtig

PPI gelten schon lange als sehr gut verträglich – so gut, dass der Wirkstoff Omeprazol seit 2009 teilweise nicht mehr rezeptpflichtig ist. Dennoch fordern Mediziner mehr Zurückhaltung bei der Verschreibung. Das sei der einzige Schluss, den man aus den Studien ziehen könne, so Koop: "Man soll niemandem etwas verordnen, was er nicht braucht. Und man sollte es zeitlich so begrenzt wie möglich einsetzen." Bei zu langer Therapie drohen vor allem immungeschwächten Patienten vermehrt Magen-Darm-Infektionen.

Wichtig sei der sorgfältige Umgang mit diesen Arzneien, meint auch Apotheker Bubnick. Dazu gehöre eine umfangreiche Beratung – gerade im Hinblick auf mögliche Wechselwirkungen, etwa mit bestimmten Herzmedikamenten oder Schlafmitteln.

Damit die Präparate richtig wirken, müssen sie eine Stunde vor dem Essen eingenommen werden. "Sonst liegen sie mit der Mahlzeit zu lange im Magen und werden dort zerstört, bevor sie in den Darm gelangen können." Die Folge: Eine Besserung bleibt aus. Und die Patienten erhalten oft PPI in noch höherer Dosis.



Bildnachweis: Your Photo Today/GARO/PHANIE, W&B/Ronald Frommann

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